Weg der Traube

Gemütlich sitzen wir an einem Tisch im Restaurant des Loisiums. Der eine munter und fröhlich, der andere noch verschlafen über dem x-tem Kaffee, sehnsüchtig auf das kuschlige Bett des Hotels denkend. Keiner weiß, was ihn heute erwartet. Unser Gastgeber ist gerade angekommen. 

Michi Sax hat heute einiges vor. Nach einem spannenden Tag haben wir es auch zu ihm nach Hause geschafft. Weingut Winzerhof Sax. Während der Autofahrt erklärt er uns die Rieden, die Bodenbeschaffenheit aber auch das eine oder andere Geheimnis der Weinregion Kamptal. Neugierig steigen wir aus dem Auto während uns unser Gastgeber erklärt: "Wir gehen jetzt den Weg der Traube!" 

 

Gleich im Hof wird uns erklärt, wie die Trauben in den umliegenden Weingärten gepflegt und gehegt werden, natürlich mit viel Liebe und Können, um den besten Wein daraus zu bekommen, die Anlieferung bekommen wir live zu sehen, dann eilt Michi mit uns in die geheime Räumlichkeiten, um uns die erste Verarbeitung der Trauben zu erklären. Die meisten von uns schielen aber bereits nach den Tanks, die um uns herum majestätisch thronen. Natürlich dürfen wir da probieren. Ein kleines Gläschen reichen wir uns in der Runde, die Einzigartigkeit des Moments ist im Raum zu spüren. Die Riesen verstecken vor uns ein kostbares Gut! Monate harter Arbeit, ob die Mutter Natur diese verrichtet oder die ganze Winzerfamilie, jeder Tag dieser Reise ist wichtig. Noch schnelle Erklärungen, um den Inhalt der Tanks und die gerade darin stattfindende Prozesse auf dem Weg zu nehmen und dann öffnet sich die geheime Tür.  

Beeindruckende Bilder breiten sich vor uns aus. Altes Gewölbe, mystische Gänge, unfertige Wände (gerade diese haben es mir angetan, denn wie oft bekommt man schon so tief die Erde zu spüren). "Dies hat mein Großvater so gelassen, im Gedanken hat er schon den Keller vergrößert" höre ich auf einmal von links. "Ja, die Generation hat noch für die Nachfolger mitgedacht" geht mir kurz durch den Kopf und dann eile ich mich schon meinen Freunden nach. Sie haben den Keller schon beschlagnahmt. Nach kurzer Begutachtung der Traube, die bereits den Weg in die Flasche gefunden hat, geht es in die gemütliche Stube. Eine interessante Verkostung steht uns bevor, wir vergleichen, lassen uns erklären, genießen. Die Mama überrascht uns mit einigen Spezialitäten und wir finden auch hier einen Weg der Traube - ob in der Weinflasche, im Chutney- oder Marmeladenglas, obendrein bekommen wir die Traube auch direkt zu kosten und das stimmt uns nachdenklich...

 

Ein netter Abend, ein paar nette Gespräche, eine Lektion. Doch irgendwann ist auch für uns die Zeit gekommen. Wir begehen uns auf dem Heimweg. Interessante Eindrücke im Gepäck und mit einem warmen Gefühl ums Herz, denn wir wurden sehr herzlich im Langenlois aufgenommen. 

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